= Schneegans.info = Große Schneegans (Anser caerulescens atlanticus)

Große Schneegans
- Anser caerulescens atlanticus -

© Mike Reshitnyk
© Mike Reshitnyk
© Mike Reshitnyk
© Sönke Morsch
Beschreibung:

Die Große Schneegans ist etwas kleiner als unsere Hausgans. Männchen und Weibchen sind einander ähnlich, nur das bei den älteren Paaren das Männchen größer ist.

Körpermaße:

Länge:

65 - 84 cm

Flügelspannweite:

135 - 175

Schwanzlänge:

11 - 14 cm

Gewicht:

2,8 - 3,3 kg

Die Große Schneegans kommt in zwei Farbvarianten vor:

  • weiße Phase,
  • dunkle Phase (Blaue Schneegans).
  • Zwischen den beiden Phasen kommen Übergänge vor. Beide Varianten können manchmal aber auch als Nachkommen desselben Elternpaares auftreten.

    Die weiße Phase ist praktisch unverwechselbar durch den Kontrast zwischen den schwarzen Handschwingen und dem übrigen weißem Gefieder.
    Das Alterskleid von Männchen und Weibchen ist dabei gleich. Der Hals ist relativ kurz und kräftig, der weiße Kopf ist rundlich und oft orangebräunlich getönt. Der Schnabel und die Beine sind fleischrot. Das Schnabelinnere und die wülstigen Zahnleisten sind schwarz. Die Schneegans erkennt man am Besten an ihrem seitlichen Schnabelspalt, der den Tieren ein grinsendes Gesicht verleiht.
    Die Vollmauser der Großen Schneegans setzt Ende Juli während der Jungenfütterung mit dem Schwingenabwurf ein. Die Nichtbrüter mausern etwa 2 Wochen früher. Die Flugunfähigkeit dauert nur etwa 3 Wochen, der einsetzende Kleingefiederwechsel dauert ca. 6 Wochen.
    Die Gössel erneuern nach ihrem Flüggewerden bis zur Jahreswende das Kleingefieder, im nächsten Frühsommer wird mit der Vollmauser das 1. Alterskleid angelegt. Schnabel und Füße hellen sich während der Befiederung auf, das Grau wird mehr und mehr durch Rot ersetzt, bis mit etwa einem Jahr die Altersfärbung erreicht ist.
    Beim Dunenkleid der Gösslinge ist die Kopfplatte, die Rückenpartie und der kräftige Augenstreif gelblichbraun. Das Gesicht, die Unterseite sowie die Fleckchen auf Flügel und Rücken sind gelbgrün. Dabei ist die Farbintensität variabel. Schnabel und Füße sind graugrün bis fast schwarz.
    Im Jugendkleid sind die Kopf- und Rückenpartien hellbraun und der Bauch fast weiß. Die Schulter- und Flügelfedern sind dunkel graubraun und im Armteil weiß besäumt.

    Bei der Großen Schneegans kommt die dunkle Phase aber nur selten vor, weniger als 4 %. Dabei variiert im Alterskleid die Weißausdehnung vom Kopf bis zum Hals. Manchmal sind auch Brust und Bauch weiß, sonst ist sie mehr oder weniger schiefergrau bis graubraun. Die etwas verlängerten Schulterfedern sind fast schwarz und haben breite weiße Ränder. Der Schnabel ist rot und die Füße sind blaß rötlich.
    Bei der blauen Form ist das Dunenkleid dunkel olivgrün oder schwarzbraun. Der Schnabel und die Füße sind graugrün bis fast schwarz.
    Das gesamte Jugendkleid ist dunkel schiefergrau, bräunlich übertönt. Die Federn sind schmal hell gesäumt. Der Schnabel und die Füße sind dunkler als bei der ad.

    Biologen haben festgestellt, daß die durchschnittliche Lebensdauer der Großen Schneegans 6 Jahre beträgt, viele Große Schneegänse leben aber länger als 16 Jahre.

    Top

    Lebensraum:

    Die Große Schneegans brütet auf den hocharktischen Inseln Kanadas und auf Grönland. An der Ostküste der USA überwintert sie.

    Entwicklung der Gesamtpopulation:

    1910

    3.000

    2004

    700.000 Exemplare auf der ganzen Welt.

    Das Brutvorkommen konzentriert sich auf relativ wenige, aber sehr umfangreiche Brutkolonien.

    Die Große Schneegans vermehrt sich hauptsächlich auf den kanadischen Inseln Nord Baffin Island, Bylot Island, Axel Heiberg Island und Ellesmere Island und auf Grönland. Auf Bylot Island, welche sich südlich des Lancaster Sound und westlich von Grönland befindet, ist die größte Kolonie der Großen Schneegans auf der Welt. Sie wurde 1965 zum Vogelschutzgebiet erklärt. Bylot Island und angrenzende Bereiche von Baffin Island sind auch Teil des Sirmilik Nationalparks, der sich 1999 gründete.

    Während der Brutzeit von Anfang Juni bis frühem September lebt die Große Schneegans in der hohen arktischen Tundra nahe der Küste oder im Landesinneren auf hügeligem Gelände oder in niedrig liegenden, nassen Wiesen voller Gräser und Seggen.

    Aufgrund ihrer arktischen Brutgebiete gehört die Große Schneegans zu den nördlichsten Brutgänsen der Welt.

    Die Große Schneegans überwintert entlang der atlantischen Küste der Vereinigten Staaten, von New Jersey bis nach South Carolina, mit Hauptkonzentrationen um die Buchten von Delaware Bay und Chesapeake Bay. Sie nutzen aber auch Sümpfe und ackerbaulich genutzte Felder.
    Häufig ziehen die Großen Schneegänse dabei in Mengen von 1.000 Vögeln oder mehr herum.

    Die Große Schneegans kann sich sehr gut auf dem Land, auf dem Wasser und in der Luft bewegen. Sie ist ein guter Wanderer, da sie während der Mauser nicht fliegen kann.

    Top

    Zugverhalten:

    Die Großen Schneegänse unternehmen längere Zugwanderungen als die meisten anderen nordamerikanischen Gänse, sie fliegen normalerweise mehr als 4.000 Kilometer.

    Im Frühjahr und im Herbst fliegen sie in großen Familienverbänden oder als Einzelpersonen, den ganzen Tag und die Nacht.

    Im Herbst wandert die Große Schneegans von ihren Brutplätzen in Nordalaska entlang eines korridorähnlichen Flugweges durch Ostkanada und die nordöstlichen Vereinigten Staaten in die Winterquartiere.

    Der Frühjahrszug folgt einer anderen, weiter westlich gelegenen Route, die ebenfalls sehr schmal ist. Die Frühlingsschwärme sind kleiner als die im Herbst. Im Frühjahr fliegen zwischen 35 und 400 Gänse zusammen, während im Herbst mehr als 1.000 zusammen reisen können.

    Top

    Nahrung:

    Schneegänse ernähren sich wie alle Feldgänse fast nur aus Vegetabilien.
    Im sommerlichen Brutgebiet sind arktische Gräser und Kräuter der Grundstock der Nahrung.
    Im Winterquartier streifen die Gänse die Samen der Gräser ab, graben Wurzelstücke und Rhizome von Binsen und äsen auf Ackerflächen und Weiden.
    Für das Ausgraben der Wurzeln aus dem Schlamm ist ihr starker, scharfer Schnabel sehr wirkungsvoll.

    Top

    Fortpflanzung:

    Die Gänse treffen in ihrem Brutgebiet Anfang Juni ein, nachdem sie sich bereits vorher verpaart haben. Ungefähr 10 Tage nach ihrer Ankunft werden ihre Nester auf den trockenen Boden innerhalb der Brutkolonie und an Abhängen und geschützten Steigungen von Schluchten errichtet. Das Weibchen wählt dabei den Nestaufstellungsort und errichtet ihn selbst, obgleich das Männchen immer in der Nähe bleibt. Das Nest wird normalerweise in Bodenmulden angelegt und mit Flechten und kleinen Pflanzenteilen ausgekleidet, die das Weibchen im nahen Bereich des Nestes findet. Sie kann ihr erstes Ei innerhalb einer Stunde nach der Auswahl des Aufstellungsortes legen, und während sie mehr Eier legt, kleidet sie das Nestinnere mit weiterem Material aus, einschließlich von Daunenfedern aus ihrem Brust- und Bauchbereich.

    Das Weibchen legt normalerweise 4 oder 5 Eier, wobei sie alle 36 Stunden ein Ei legt. Das Ausbrüten beginnt, wenn das zweitletzte oder letzte Ei gelegt ist. Während der folgenden 24 Tage erfolgt das Ausbrüten. Dabei wird sie von dem Männchen beschützt, der sich selten mehr als 50 m vom Nest wegbewegt. Das Weibchen verläßt ihr Nest mehrmals am Tag, normalerweise für ungefähr 15 Minuten. Bevor sie es verläßt, bedeckt sie ihre Eier mit Nestteilen, um die Eier warm zu halten und sie vor Fleischfressern zu tarnen.

    Die Eiablage erfolgt in den meisten kanadischen Kolonien zwischen 5. und 25. Juni, also in einer extrem engen Zeitspanne. Die Gössel schlüpfen mit ca. 70 g und verlassen ihr Nest ungefähr 24 Stunden nachdem das letzte Ei ausgebrütet ist. Sie sind robust wie ihre Eltern und enorm schnellwüchsig. Sie können gehen, schwimmen, tauchen und fressen. Nach sechs Wochen fangen sie an zu fliegen. Bis dahin wiegen sie ungefähr 2 Kilogramm. Etwa mit 12 Wochen beginnt die Umfärbung in das Alterskleid.

    Während die Familien in den ersten Tagen in den Kolonien äsen, scharen sie sich danach zu großen Trupps zusammen und siedeln zu den neuen Äsungsplätzen in Gewässernähe über. Nachdem die Schneegänse einige Tage stramm marschiert sind, treffen sie in ihrem Sommerquartier ein.

    © BVL Enzyklopädie
    Top

    Verständigung:

    Der Hauptruf der erwachsenen Großen Schneegans ist ein lautes, nasales "whouk" oder "kowk" oder ein "kow-luk", welches dem Bellen eines Hundes ähnelt. - Die Große Schneegans hat sich den Ruf als lautester Wasservögel erworben. Junge Vögel, die nicht gebrütet haben, sind ziemlich ruhig.

    Top

    Status:

    Vor hundert Jahren wurde die Weltpopulation der Großen Schneegans auf ungefähr 3.000 Vögel geschätzt. Bis 1998 gab es mehr als 800.000 Große Schneegänse.

    Für die drastische Zunahme sind die folgenden drei Faktoren hauptsächlich verantwortlich: eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, die Errichtung von Schongebieten und die Erhebung von Jagdbeschränkungen auf die Große Schneegans.

    Bis zur Mitte der 70-iger Jahre fand die Große Schneegans die Nahrung hauptsächlich in Sumpfgebieten. Seit damals haben Änderungen in der landwirtschaftlichen Praxis dazu geführt, dass die Vögel das Futter weitgehend in der Nähe von landwirtschaftlich genutzten Flächen finden. Insbesondere haben die Neuentwicklungen der großräumig bewirtschaftenden Betriebe, die vor allem auf Mais oder Getreide ausgerichtet sind, eine unbegrenzte Ergänzung zur traditionellen Ernährung der Schneegans ergeben und zu einem verbesserten Überleben der Gänse während des Winters und während der Zugzwischenstationen geführt.

    Die Einrichtung der Schongebiete, in denen die Jagd verboten ist, stellen einen Schutz der kritischen Lebensräume in Kanada und in den Vereinigten Staaten dar und haben damit auch zur Populationszunahme beigetragen. In Kanada ist das wichtigste Schongebiet für die Große Schneegans am Fluß St. Lawrence am Cap Tourmente, Quebec, wo die Gänse traditionsgemäß während ihres Frühling- und Herbstzuges Zwischenstation machen.

    Des weiteren wurde von Kanada und den Vereinigten Staaten ein Vertrag unterzeichnet, der die kommerzielle Jagd verbietet und feste Beschränkungen für die Freizeitjagd festsetzte. Das führte zu einer erheblichen Populationszunahme zwischen 1968 und 1973. Als die Freizeitjagd in den Vereinigten Staaten 1975 wieder zugelassen wurde, blieb die Population bis 1983 beständig, ein außergewöhnlich gutes Brutjahr führte aber zu einer neuen Populationszunahme.

    Der Anstieg der Großen Schneeganspopulation ist ein Ergebnis all dieser Entwicklungen. Wildnisbiologen gehen davon aus, dass die Schneeganspopulation Nordamerika überbevölkern wird. Während der achtziger und neunziger Jahre wurde die Jagd in der östlichen Arktis und eine Herbstfreizeitjagd in Südkanada sowie im Osten der Vereinigten Staaten erlaubt. 1999 wurde eine spezielle Frühlingsjagd in Kanada durchgeführt, um die schädlichen Effekte dieser großen Population in den arktischen Lebensräumen, in denen die Gänse brüten, zu verringern. Diese Jagd wurde noch einmal im Frühjahr 2002 wiederholt.

    Die Populationszunahme wurde gestoppt und es gibt Zeichen einer neuen Abnahme - es gibt jetzt ungefähr 700.000 Große Schneegänse.

    © Mike Reshitnyk

    Hier finden Sie weitere Informationen:

  • Kleine Schneegans (Anser caerulescens caerulescens)
  • Zwergschneegans (Anser rossi cassin)
  • Schneegans (Anser caerulescens)

  • Top

    Große Schneegans, Grosse Schneegans,
    Große Schneegänse, Grosse Schneegänse,
    Anser caerulescens atlanticus,
    Chen caerulescens atlanticus,
    Gans, Gänse, Zugverhalten, Lebensraum, Brutverhalten, Fortpflanzung, Zugvogel, Zugvögel, Zugverhalten, Vogelbeobachtung,
    Foto, Fotos, Bild, Bilder, Naturfoto, Naturfotos, Bildarchiv, Fotogalerie, Fotoarchiv, Naturfotografie, Naturfotografen,
    Schneegans-online, Schneegans-info, Schneegans.info,
    =